Der größte Feind der Pflege

Ich möchte in meinem Buch einen kleinen Teil dazu beitragen,
dass sich die Wertschätzung und Attraktivität der Pflegeberufe
verbessert. Dies ist mir ein Herzenswunsch!
Die Wertschätzung und Attraktivität eines Berufes drückt sich
vor allem in der Bezahlung und den Konditionen der Arbeitsbe-
dingungen sowie in der Wahrnehmung und Anerkennung des Vol-
kes aus. Es ist in meinen Augen ein Unding, dass viele Schreib-,
Reinigungs- oder Verkaufskräfte besser verdienen als die Men-
schen, die tagtäglich die Schwächsten, nämlich die Alten, Kranken
und Sterbenden, versorgen. Ein Schreibfehler oder ein Raum, der
mangelhaft geputzt wurde, können verschmerzt werden. Fehlkäu-
fe können umgetauscht werden! Ein Fehler in der Pflege von Men-
schen kann dagegen fatale Folgen haben!

Jeder von uns, der privat oder beruflich mit dem Zug oder Flug-
zeug verreisen möchte/muss, wird wohl daran denken, ob man
auch pünktlich ans Ziel kommt … Es könnte durchaus passieren,
dass einmal wieder die Lokführer oder Piloten, vielleicht auch das
Bodenpersonal der Flughäfen gerade in Streik für bessere Bezah-
lung und Arbeitsbedingungen treten!

Stellen Sie sich bitte einmal vor, es ist morgens um sieben Uhr
und kein Pflegepersonal in den ambulanten und stationären Ein-
richtungen ist erschienen! Der Gedanke daran, dass die vielen
alten, kranken, pflegebedürftigen und vielleicht auch sterbenden
Menschen unversorgt und hilflos auf Hilfe warten müssten, wä-
re unerträglich. Das reinste Horrorszenario! Wer sollte die Men-
schen versorgen, wenn nicht die Pflegekräfte?

Ich glaube nicht, dass dieser Zustand jemals eintreten wird.
Gott sei Dank, oder auch leider! Denn dann würde sich bestimmt
ganz schnell etwas an den unzumutbaren Arbeitsbedingungen
in der Altenpflege ändern. Auch die Pflegebedürftigen würden
von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte
kurz- oder langfristig profitieren. Durch Überforderung und per-
manenten Zeitdruck wird oft nicht so gut gearbeitet, wie es nötig