Pflege im Schweinsgalopp: Die unerhörten Erlebnisse der Schwester Annette

Rezension von Uwe Peters:
Pflege im Schweinsgalopp

„Die unerhörten Erlebnisse der Schwester Annette“ werden von Annette Rehwald in einen „autobiografischen Roman“ in unterschiedlicher Erzählweise dargelegt. Es ist das erste Buch von Frau Rehwald und zusammen mit der Kinderzeichnung eines Krankenhausflures auf der Umschlagseite ist beides genau diesem Umstand geschuldet.

Es ist gut, dass der Untertitel heißt: „autobiografischer Roman“. Dadurch hat sich Frau Rehwald von der sachlichen Strenge eines Sachbuches gelöst und kann ihre eigenen Motive; Gefühle und Ansichten mit durchaus objektivierbaren Daten und Fakten unterhaltsam vermischen und ihr Buch entspricht damit dem gegenwärtigen Mainstream unserer Mediengesellschaft. Jeder Einzelfall ist spannend erzählt und gut zu lesen. Sie wird irgendwann in den Talkrunden unsere Medien einen regelmäßigen Platz besetzen.

Ihre romanhaften Schilderungen zeigen erste Schritte in die Richtung einer spannend schreibenden Schriftstellerin; welche das Repertoire von spannend- atemberaubend bis hin zu leicht und lustig beherrscht.

Ein zweiter Ansatz wird in der unübersehbaren Kritik an gesellschaftliche und personelle Vorgaben durchgehalten. Auch dieser Ansatz wird gerne gelesen; denn er schafft dem Leser das Gefühl einen kritischen Blick hinter die Oberfläche zu tun.

Und schließlich macht der Titel deutlich, dass es um eine subjektive Bestandsaufnahme geht und nicht um Gedanken und Ideen, wie alles besser werden könnte. Aber auch hier gilt, was in der Medizin Grundsatz ist: „Vor eine Therapie haben die Götter die Diagnose gesetzt.“ Frau Rehwalds Buch kann uns den Blick schärfen, diagnostisch sorgfältiger zu werden.

„Pflege im Schweinsgalopp“ kann in diesem Prozess wertvolle Hinweise geben und gibt viele Gründe ab, um konzentrierter auch über unsere eigene Zukunft nachzudenken, denn wir alle werden Tag für Tag älter.

Fazit:

Weil die sozialen Errungenschaften unseres Gemeinwesens von Jahr zu Jahr immer stärker in die Kritik geraten und teilweise schon umgebaut werden, kann dieses Buch eine dringende Warnung und Hilfe sein, um seine eigene Zukunft sinnvoller und kompetenter zu organisieren. Die ursprüngliche soziale Idee: „Einer für alle, alle für einen“, hat im Laufe der vielen vergangenen Jahre einen neuen Schwerpunkt entwickelt und heißt heute: „Einer für ein paar wenige andere und alle ganz unbeschränkt für einen (mich)“.